Gegenprotest zu NPD-Kundgebung: Hauseigentümer und Polizei bewerten Artikel 1 Grundgesetz als Provokation

„Nehmen Sie dieses Transparent wieder ab. Wir wollen hier keine Provokation.“ Mit diesen Worten wandte sich heute morgen der Einsatzleiter der Polizei an Aktivist_innen des Netzwerk Asyl Migration Flucht (namf), die ein Banner mit der Überschrift „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ an der Fassade der Asylunterkunft auf der Florian-Geyer-Straße heruntergelassen hatten.

Transparent am Asylsuchendenunterkunft Florian Geyer Stra�e

Bild: Wohnheim Florian-Geyer-Straße, 9:20Uhr. Die Polizei fordert das Entfernen des Transparents, weil es eine Provokation für die NPD-Kundgebung darstelle.

Artikel 1 Grundgesetz als Provokation? Die Eigentümerin des Gebäudes, die GAGFAH Immobilien-Management GmbH ließ über den für die Asylunterkunft zuständigen „Heimleiter“ wissen, dass sie ebenfalls die Entfernung des Transparents fordere und diese notfalls von der Polizei vornehmen lassen würde. Um die Heimbewohner_innen, die den Protestierenden zum Aufhängen des Transparents Zugang zu ihren Wohnungen gewährt hatten, vor dem zu befürchtenden Eindringen der Polizei zu schützen, wurde das Banner schließlich wieder eingerollt.

So konnten weder die zahlreich zur Gegenkundgebung eintreffenden Menschen noch die braunen Umweltverschmutzer und geistigen Brandstifter die Botschaft lesen: Bewegungsfreiheit, Bleiberecht, freie Wohnungswahl – gleiche Rechte für alle! Ein weiteres Banner mit der Aufschrift „Religionsfreiheit und Asyl sind Menschenrechte!“, das einige Zeit später vom Balkon eines Nachbarhauses herabgelassen wurde, musste vor dem Eintreffen des Nazis-Trosses enfernt werden – dieses Mal auf Weisung der Wohnungsgenossenschaft WGJ, der Eigentümerin dieses Wohnhauses.

Die Reaktionen von GAGFAH und WGJ sind unfassbar, doch sie machen eines klar: Kreativer Protest, Einsatz für Menschenwürde und für diejenigen, denen dieses Grundrecht vorenthalten wird, sind nicht erwünscht. Die NPD sollte möglichst ungestört ihre Veranstaltung abhalten können, deren Versuche geistiger Brandstiftung erscheinen offenbar weniger provokativ als der Einsatz für Demokratie und Menschenrechte. Vor diesem Hintergrund offenbart sich das Engagement der GAGFAH, die sich Dank einer Geldspende als Unterstützerin eines bunten Festes für die Bewohner_innen der Asylunterkunft feiern lässt, als bloßer Etikettenschwindel und pure Scheinheiligkeit.

Wesentlich couragierter als die Menschen in den Chefetagen der genannten Wohnungsgesellschaften zeigten sich die über 300 Menschen, die dem Aufruf des namf folgten und sich vor der Asylunterkunft versammelten, um sich mit den Bewohner_innen zu solidarisieren und den NPD-Brandstiftern – die bereits auf dem Weg zum Kundgebungsort durch Aktivist_innen aufgehalten wurden – die Show zu vermasseln. Gegen Kälte und strömendem Regen halfen dicke Kleidung und Regenschirme, gegen die unterträgliche akustische Umweltverschmutzung des jämmerlichen braunen Haufens nur Stimmbänder, Topfdeckel, Trillerpfeifen und Sambatrommeln. Auch wenn in Dresden den Nazis durch die Gegendemonstrant_innen ein angemessener Empfang bereitet wurde, bleibt einmal mehr die Erkenntnis: couragierte Menschen, die sich in dieser Stadt neonazistischen Umtrieben entgegen stellen, sind auf sich allein gestellt. Auf eine kritische Positionierung von Firmen und Institutionen können sie nicht hoffen. Hier gilt nach wie vor die Devise: Herunterbeten der Legende von der angeblich „Weltoffenen Stadt“, ansonsten aber Wegschauen und Nichtstun. Eine bessere Unterstützung können sich Neonazis kaum wünschen…

Mehr zu den Aktivitäten gegen die NPD-Brandstiftertour in Dresden bei namf





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